Ein Angebot in Kooperation mit dem SIMBAV-Familienforum Rotenburg (Wümme)
Meine Perspektive und was mich antreibt
Seit über 20 Jahren bin ich Partnerin und Ehefrau eines Soldaten. Ich lebe und arbeite in Rotenburg (Wümme), nahe der Region Munster/Bergen. Hier befindet sich einer der größten zusammenhängenden Truppenübungsplätze Westeuropas, und die Bundeswehr ist ein fester Bestandteil im Alltag vieler Menschen und Familien.
In meiner systemischen Beratungspraxis geht es häufig um Themen an der Schnittstelle von Führung und Familie. Auch Stress, Belastung und Erschöpfung spielen dabei eine Rolle. In diesem Zusammenhang begegnen mir in meinen Einzelcoachings und Veranstaltungen immer wieder Menschen, die selbst im Dienst stehen oder deren Partner*innen im Dienst stehen.
Meine eigenen Erfahrungen sind dabei eine wichtige persönliche Perspektive, aus der ich die besonderen Herausforderungen dieses Lebensmodells kenne und einordnen kann. Denn oft wird unterschätzt, wie umfassend auch Soldatenfrauen*, die selbst keine Uniform tragen, in ihrem Alltag vom militärischen Rhythmus bestimmt sein können.
Auch wenn der Begriff „Soldatenfrau“ etwas altbacken klingt, trifft er doch am besten, was ich damit meine, nämlich: Ein Leben zu führen, das in allen Bereichen – persönlich, beruflich, partnerschaftlich und familiär – untrennbar mit den Verpflichtungen des Partners / der Partnerin im Militärdienst verbunden ist.
Dieses Leben fordert Einiges. Häufige Ortswechsel, lange Abwesenheiten durch Lehrgänge, Übungen und Auslandseinsätze und die damit verbundenen emotionalen Hochs und Tiefs. All das kann nicht nur die Soldatin / den Soldaten, sondern auch die Partnerschaft und die gesamte Familie stark belasten.
Ohne Frage bietet der Dienst in der Bundeswehr diverse Unterstützungsleistungen für Familien, finanzielle Absicherung und mit dem Bundeswehrsozialwerk auch soziale und Freizeitvorteile. Der Sozialdienst der Bundeswehr, die Familienbetreuungszentren, die Militärseelsorge und viele weitere Organisationen und Einrichtungen in Kooperation leisten hier fantastische Arbeit.
Manche Themen gehen jedoch an die Substanz und sind im Alltag nur schwer mit Außenstehenden zu besprechen. Durch meine eigenen Erfahrungen und durch die Arbeit mit Bundeswehrfamilien habe ich oft feststellen können:
Soldatenfrauen sind …
…Führungskräfte ohne Titel
Sie übernehmen häufig über Jahre Verantwortung, organisieren, priorisieren, entscheiden und halten Familie und Alltag auch unter unsicheren und wenig steuerbaren Bedingungen handlungsfähig und stabil – phasenweise allein und oft neben der eigenen Erwerbstätigkeit.
Dabei entwickeln sie Kompetenzen wie Entscheidungsstärke, Krisenkompetenz, Kommunikationsfähigkeit und den Umgang mit komplexen Systemen. Sie zeigen also Führungskompetenzen, die durch Zeit und Expertise entstehen, ohne dass sie offiziell eine Führungsrolle innehaben.
…das emotionale Regulationssystem
Nicht nur die eigenen Ängste und Sorgen bei Auslandseinsätzen oder langer Abwesenheit des Partners / der Parnterin, sondern auch die der Kinder müssen ernst genommen, begleitet und reguliert werden.
Wer zu hause bleibt, trägt alle Wachstumsschmerzen der gemeinsamen Kinder unmittelbar und oft allein. Egal ob Koliken im Babyalter, Wutausbrüche in der Wackelzahnpubertät oder Kummer und Frust während des ersten Liebeskummers.
…das familiäre Frühwarnsystem
Häufig bemerken sie als erste, wenn sich nach einem Einsatz oder einem einschneidendem Erlebnis die Stimmung oder das Verhalten der Partnerin / des Partners verändert.
Oft sind sie es, die Gespräche initiieren, nach Entlastung und ärztlicher Hilfe suchen und weiterhin Struktur und Sicherheit für die Familie herstellen – auch, wenn der andere Elternteil gerade keine Kraft mehr hat.
…häufig die tragende Säule der Familie
Wer sich häufig allein um ein gelingendes Familienleben kümmert und berufstätig ist, fühlt sich oft stark belastet. Insbesondere wenn Familienangehörige aufgrund von Wohnortswechsel nicht vor Ort sind und unterstützen können.
Es fehlen die sprichwörtlichen “helfenden Hände”, die unkompliziert und ohne finanzielle oder andere Gegenleistung dort anpacken, wo es im Alltag gerade brennt – Im Haushalt, bei der Hausaufgabenhilfe, Babysitten etc…
…in ihrer eigenen Lebensgestaltung oft nachrangig
Phasenweise treten eigene Interessen und Prioritäten in den Hintergrund. Berufliches Pendeln und Schichtdienst, Übungen, Lehrgänge und Auslandseinsätze der Partner*in / des Partners bestimmen oft den Takt des gemeinsamen Lebens.
Für die eigene Lebensgestaltung bedeutet das häufig: mitziehen, umplanen, möglich machen und jede Menge Kommunikation über die Frage: “Wessen Bedürfnis – wonach – wird wann – auf welche Weise – versorgt?”
…mit den Bewertungen anderer konfrontiert
Mitunter müssen sich Soldatenfrauen auch mit den (Vor)-Urteilen anderer gegenüber dem Dienst in der Bundeswehr auseinandersetzen. Sie sollen erklären, rechtfertigen, begründen und – da sie sich Ihre*n Partner*in ja ausgesucht haben – die Herausforderung für sich selbst und ihre Kinder klaglos bewältigen.
Wer über lange Zeit so viel Verantwortung trägt und phasenweise über sich hinauswachsen muss, benötigt gute Unterstützung. Präventive Angebote und eine alltagsnahe Begleitung helfen dabei, auf die eigenen Kräfte zu achten und auch in schwierigen Phasen handlungsfähig zu bleiben.
Deswegen schließe ich eine Lücke
In den Räumen des SIMBAV Familienforums in Rotenburg / Wümme, kann ich nun anbieten, was ich mir selbst oft gewünscht hätte: Eine zivile Ansprechperson mit Expertise und Hintergrundwissen und eine regelmäßige Anlaufstelle unabhängig vom offiziellen Bundeswehr-Apparat.
Einen Ort, an dem man sich offen austauschen, von den Erfahrungen anderer Frauen in ähnlichen Situationen lernen und professionelles Handwerkszeug erhalten kann – bevor es im Getriebe knirscht und die eigenen Energiereserven erschöpft sind.
Diesen Ort haben wir bei SIMBAV geschaffen und laden Soldatenfrauen zu regelmäßigen Treffen ein. Hier ist Platz für alle Themen rund um Familie, Erziehung, Partnerschaft und einen guten Umgang mit den eigenen Bedürfnissen.
Als Diplom-Sozialpädagogin und zertifizierte systemische Beraterin (SG) unterstütze ich die Teilnehmer*innen dabei, schwierige Situationen gut zu bewältigen und ihre vorhandenen Fähigkeiten zu stärken. Gemeinsam entwickeln wir gute Ideen für den Familienalltag und finden Antworten auf die Fragen der Teilnehmer*innen wie z.B.:
- Wie gehe ich mit den wiederkehrenden Abschieden und Abwesenheiten meiner Partnerin / meines Partners um?
- Wie bereite ich mich und unsere Kinder auf einen Auslandseinsatz vor?
- Wie bleibe ich bei Kräften, wenn ich häufig allein für den gelingenden Familienalltag verantwortlich bin?
- Wo bleibe ich mit meinen Interessen, Wünschen, Bedürfnissen?
Wir treffen uns am:
- Donnerstag, 20.02., 12.06. und 09.10.2025
- je von 19:00 – 20:30 Uhr
- im SIMBAV – Familienforum, Pferdemarkt 3, 27356 Rotenburg / Wümme
- Kosten: Wir freuen uns über freiwillige Kostenbeiträge – für das Material und als Wertschätzung für die professionelle Begleitung der Gruppe.
Anmeldung: direkt über ein kostenfreies Ticket auf >>Eventbrite.de oder: info@gundlach-beratung.de
Ein Online-Veranstaltung für Soldatenfrauen ist ebenfalls in Planung. So können auch Personen außerhalb des Landkreises oder ohne Babysitter vom gegenseitigen Austausch und meiner Unterstützung profitieren. Bei Interesse, Fragen und Anregungen wende dich gern direkt an mich.
Wenn du dir individuelle Unterstützung für dich selbst, deine Partnerschaft oder deine Familie wünschst, bin ich gern an deiner Seite. Gemeinsam können wir einen Auslandseinsatz Vor- oder Nachbereiten, vielleicht geht es auch um eine Begleitung währenddessen oder um die Frage, wie der Alltag unter schwierigen Bedingungen gelingen kann.
Ich unterstütze dich dabei, einen guten Umgang mit diesen Herausforderungen zu finden und freue mich auf unser Kennenlernen.
*Familienkonstellationen sind vielfältig. Ich wähle im Artikel und in der Veranstaltung die Perspektive von zivilen Partnerinnen von Soldat*innen, da sich diese am häufigsten in meiner Arbeit abbildet. Im Fokus stehen die Herausforderungen für die eigene Lebensgestaltung, Familie und Partnerschaft unter den Bedingungen des Militärdienstes.